Pressemitteilung (DE) – 2015-02-03

Der deutsch-griechische Appell gegen mediale Einäugigkeit und für Verhandlungen über einen Schuldenerlass auf Regierungsebene von mehr als 600 Persönlichkeiten unterzeichnet.

Mehr als 600 Unterzeichnende (Tendenz steigend) aus der deutschgriechischen Einwanderung, dem deutschen Philhellenismus, von Deutschen und Griechen aus Griechenland und von mit Griechenland solidarischen Europäern, darunter sehr viele renommierte Namen aus dem Universitäts- und Bildungsbereich, aus dem künstlerischen und kreativen Umfeld wie aus Gewerkschaftskreisen, richten ihren Appell gegen Einäugigkeit der Medien und für Verhandlungen über einen Schuldenerlass nun gezielt an exemplarische Instanzen wie den in Europa „stärksten“ Finanzminister Schäuble bzw. direkt an deutsche Medien. Alle 10 Punkte des bereits vor der Wahl vom 25. Januar 2015 verbreiteten Appells seien durch die seitherige Entwicklung 100prozentig bestätigt worden:

  • Die Frage des Schuldenerlasses erweist sich als Schlüsselfrage und Minister Schäuble als der wichtigste Entscheider. Der Appell spricht sich für Verhandlungen auf Augenhöhe zwischen europäischen Partnern aus und plädiert dafür, die Mauer der Sperrfloskeln wie „wir sehen das Thema nicht“ mutig zu durchbrechen. Der Appell bezeichnet die von der Troika in Griechenland verfolgte und gänzlich gescheiterte Politik als „Brüningpolitik“, um an die katastrophalen Folgen, die Deutschland mit dieser Politik, die eine der Ursachen für den Erfolg Hitlers war, gemacht hat, zu erinnern. 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs gilt es, auch die fatale falsche Weichenstellung der Brüningpolitik nicht zu vergessen.
  • Die Einäugigkeit in den meisten sowohl Sprach- wie Bildmedien des deutschen Mainstreams übertrifft die Befürchtungen des Appells sogar noch: Über Nacht wurden aus den demokratischen Wahlsiegern in Griechenland in Deutschland aggressive Feindbilder konstruiert („Alptraum Europas“, „Euroschreck“, „Geisterfahrer“, „GRIECHOS RADIKALOS“ mit „griechisch“ verfremdeten Buchstaben nach dem Muster der „hebräisch“ verfremdeten Buchstaben im Dritten Reich usw.).

Der Appell möchte erreichen, dass in deutschen Medien auch ein zweites Auge geöffnet wird – ein Auge, dass die griechische Seite der Medaille und dann auch „das Thema“ des Schuldenerlasses sehen kann. Und dass die Feindbilder sofort abgerüstet werden. Die deutsche Bundeswehr machte einmal Werbung mit dem Slogan: „Feindbilder sind die Väter des Krieges- darum haben wir keins“. Soll nun sogar die Wiege der Demokratie zum deutschen Feindbild werden? Statt weiter abzuspulen: „Das Thema Schuldenerlass sehen wir nicht“, sollten sie bevor sie so sprechen, zuvor vielleicht die griechischen Wörter in ihren Reden zählen: vom „demographischen“ Wandel bis zur „Demokratie“ – und zu „Europa“.

Prof. Dr. Jürgen Link