Nur ein Schuldenerlass kann aus der Sackgasse führen.

Antwort der deutschen mediopolitischen Klasse auf eine demokratische Volksabstimmung: Dann sprengen wir eben die griechische Etage aus dem Europäischen Haus raus, um es zu stabilisieren!

Geschlossene Banken, nervöse Märkte, Ultimaten aus Berlin und Brüssel: Und immer noch erinnert sich die deutsche mediopolitische Klasse nicht an 1930 bis 1933, an die rigide Sparpolitik des christdemokratischen Kanzlers Heinrich Brüning, der nur auf die Rückzahlung der Schulden starrte und dafür Massenarbeitslosigkeit (über 20 Prozent, besonders in der Jugend), Wegfall der sozialen Netze und Verzweiflung im Volk in Kauf nahm. Die Folgen sind bekannt in der ganzen Welt. Und ausgerechnet die deutschen Eliten wiederholen seit über fünf Jahren diese Brüningpolitik, diesmal am wehrlosen Griechenland, wo die Arbeitslosigkeit (26 Prozent) über den deutschen Zahlen von damals liegt und das Gesundheitssystem mit allen sozialen Netzen zusammengebrochen ist!

Der Appell von 1600 eingewanderten Deutsch-Griechen und philhellenischen Griechen-Deutschen „Für eine faire Berichterstattung über demokratische Entscheidungen in Griechenland“ warnte vor genau einem halben Jahr, also vor der Wahl von 25. Januar und der Bildung der Regierung Tsipras, vor der Fortsetzung dieser „Brüningpolitik“. Schon damals war deutlich, dass die Mehrheit der deutschen Mainstreammedien statt dessen alle Fakten, die die Öffnung eines zweiten, griechischen Auges hätte wahrnehmen können, in völliger „Einäugigkeit“ ausblenden würde. Unser Appell warnte in Punkt 3: „Dieses Delirium von Sprachregelung und Einäugigkeit droht das Verhältnis zwischen unseren Völkern zu vergiften.“ Mit Trauer und Empörung stellen wir jetzt fest: Die Vergiftung ist eingetreten und erreicht nun durch die Reaktion auf das Referendum historische Ausmaße, die das griechische Brudervolk so bald nicht vergessen wird. Wir verurteilen die Einäugigkeit und erklären, dass ein Rolf-Dieter Krause als von unseren Geldern alimentierter Top-ARD-Mann nicht in unsere Namen spricht, wenn er bei Plasberg fordert, die griechische Regierung wegen der Volksabstimmung „zum Teufel zu jagen“. Delirium ist dafür noch ein schmeichelhafter Ausdruck. Wir sagen den Krauses: Eure Meinung kennen wir langsam – ihr sollt Informationen liefern: Ihr liefert aber nicht! Ihr macht eure Hausaufgaben nicht!

Als Zwischenbilanz unseres Appells fand am 26. Juni an der TU Dortmund eine Tagung statt, die mit aller wissenschaftlichen Objektivität den Beweis für die Einäugigkeit der großen Mehrheit der deutschen Mainstreammedien geliefert hat, die den europäischen „Rekord“ hält. Unser Experiment ist (leider!) gelungen: Unsere Prognose wurde weit übertroffen.

Infos und Links zur Tagung »Wie einäugig ist die deutsche Medienberichterstattung zu Griechenland?«:

Sollen wir nun wetten, dass die deutsche mediopolitische Klasse es fertigbringen wird, den informationellen Kern des Konflikts, nämlich die Knackpunkte des Berlin-Brüsseler Ultimatums vom 25. Juni, der deutschen Bevölkerung schlicht vorzuenthalten? „Chaos, Erpressung, Verantwortungslosigkeit“ – kurz Götterdämmerung (deutsche Mythologie!) bis zum Erbrechen – aber nicht die Fakten: zusätzliche Rentenkürzungen, sprunghafte Erhöhung der Mehrwertsteuer auf den Tourismus auf 23 Prozent und Ablehnung des griechischen Vorschlags, die noch jetzt hochprofitablen Kapitalgesellschaften mit einem Soli heranzuziehen? Das ist die „Wirklichkeit“ und die „Wahrheit“, die zu begreifen die Griechen angeblich unwillig sind – ebenso wie die schlichte Tatsache, dass durch diese Maßnahmen die riesige griechische Staatsschuld nicht „tragfähig“ zu zaubern ist. Weshalb nur ein Schuldenerlass aus der Sackgasse führen kann, wie Punkt 8 unseres Appells fordert

Angenommen, eine Mehrheit der Griechinnen und Griechen setzt dem Ultimatum von 25. Juni am 5. Juli ihr großes OXI entgegen (gesprochen ochi, nicht ochsi, wie unsere Qualitätsmedien teilweise sagen) – ihr großes NEIN (wie 1940), dann muss das griechische Volk nicht fürchten, in Deutschland keine „Ansprechpartner“ mehr zu haben. Wir sind sicher, dass unsere 1600 Signatare für Millionen in Deutschland sprechen, die die Berliner Erpressungs- und Brüningpolitik ein für allemal satt haben.